Hellmut Wagner vertritt die Interessen der Vielseitigkeits-Oldies und sagt, diese Disziplin sei ungefährlich.


aus der Leonberger Kreiszeitung vom 18.06.2010, von Nathalie Mainka

"Es ist eine der schönsten Sportarten, die es gibt", sagt Hellmut Wagner über das Vielseitigkeitsreiten, "das Pferd ist hier ein Kamerad, mit dem man sich einig sein muss, dabei spielt gegenseitiges Vertrauen eine große Rolle". Ein gewisses Risiko sei vor allem im Geländeritt zwar immer dabei, "aber gefährlich ist diese Disziplin nicht, wenn man darauf achtet, dass das Pferd konditioniert und gut trainiert ist." Das sagt der 63-Jährige aus Schwäbisch Gmünd, obwohl seine erste Frau bei einem Reitunfall ihr Leben verloren hat. Sie war im Schritt ausgeritten, als Enten aufflatterten und das Pferd sich so erschreckte, dass es seine Reiterin abwarf. "Man darf den Pferden nicht die Schuld geben", sagt Wagner. Seine Leidenschaft für sein Hobby hat er trotz dieses Schicksalsschlages nie verloren. "Ich hoffe, dass ich fit bleibe und noch zehn bis zwanzig Jahre reiten kann."

Hellmut Wagner ist im Ausschuss der Interessengemeinschaft der Vielseitigkeitsreiter von Baden-Württemberg (IGV) aktiv. "Dort bin ich für die Altenpflege zuständig", sagt er und lacht. Der rüstige Pensionär macht sich beispielsweise dafür stark, dass die "Oldies" - Frauen ab 40 Jahren und Männer ab 50 Jahren - einige Male im Jahr die Möglichkeit haben, an Turnieren zu starten. Ein Austragungsort war früher Effringen bei Nagold, ein weiterer auf dem Deschenhof in Rupertshofen. Der Höhepunkt findet im Herbst auf Schloss Sindlingen statt, wenn Fritz Pape das Süddeutsche Oldie-Championat ausrichtet. In Leonberg sind die Senioren nun schon das dritte Mal dabei. Den Kurs auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins lobt Hellmut Wagner in hohen Tönen. "Die Strecke ist sehr anspruchsvoll, weil von Bergaufsprüngen bis zum Wasser alles dabei ist", sagt der passionierte Reiter, der vor 50 Jahren zum ersten Mal die Vielseitigkeit ausprobierte und auf Anhieb begeistert war. Er selbst hat einen Fundus von 35 Sprüngen bei sich zu Hause auf dem Hof. "Ich leihe sie gerne befreundeten Vereinen aus", sagt er. Und so sind einige seiner Hindernisse jetzt im Tilgshäusle eingebaut.

Mit zwei jungen Pferden war gestern Michael Jung beim "Late Entry", einer Geländepferdeprüfung der Klasse A, mit von der Partie. Auch der amtierende Weltcup-Sieger und Dritte der Europameisterschaften kommt gerne ins Tilgshäusle. "Der Parcour hat viele neue Hindernisse und ist noch besser als im vergangenen Jahr. Die Pferde können einiges lernen." Während der Profi aus Altheim mit Squaw v. Missih die Geländepferdeprüfung Klasse A gewann (vor Iris Hörmann aus Jettingen auf Nelson) - stürzte er mit Halunke im Wassergraben. "Das passiert", kommentierte er diese Bruchlandung. Auch in der Geländepferdeprüfung Klasse L siegte er auf Squaw v. Missih, wurde mit Halunke Dritter. In der Oldie-Wertung landete Hellmut Wagner mit Santa"s Little Helper auf Rang zwei.